Portfolio Optimierung

Benny Kayser, derzeit tätig als Level Designer am Projekt Drakensang Online für die Bigpoint GmbH, schreibt in einem längeren Beitrag über die Optimierung von Portfolios folgendes:

Ein Online Portfolio ist die Visitenkarte eines jeden Artists und Designers. Sie zeigen die eigene Arbeit, die eigenen Skills und das Potential für zukünftige Arbeitgeber. Denn genau die, können anhand dieser Ausstellung genau sehen, was man drauf hat und wo man eingesetzt werden kann. Die richtige Präsentation ähnelt einer Bewerbung und genau hier muss man wissen wie solch ein Online Portfolio aufgebaut sein sollte. Eine schöne Präsentation ist tatsächlich Gold und eine Chance, die man sich nicht verbauen sollte.

Doch wer braucht ein Portfolio? Theoretisch kann sich jeder ein Portfolio zulegen. Egal ob Producer, Programmierer, Quality Assurance oder sogar Sound Designer. Jeder, der was zeigen kann, kann sich ein Portfolio aufbauen. In unserem Beispiel werden wir das Thema Online-Portfolio auf Level-Designer fokussieren.

Natürlich darf man die Frage stellen, womit man am besten und am schnellsten ein Portfolio hochziehen kann. Wer sehr viel Zeit investieren möchte und natürlich auch sämtliche Websprachen beherrscht, der kann das ganze komplett selbständig aufbauen. Will man sich aber nicht darum kümmern, sondern nur um den Inhalt und die Gestaltung des Portfolios, kann man auch auf den aktuellen Trend setzen: WordPress zum Beispiel. WordPress ist eigentlich eine Blog-Software, aber dank der komfortablen Möglichkeiten zur Individualisierung und der unkomplizierten Adminoberfläche kann es einfach zum Aufsetzen eines Portfolios verwendet werden.

Wer Wert auf das Aussehen legt, muss unbedingt darauf achten, dass das Ganze dezent wirkt und nicht zu sehr von seiner Ausstellung ablenkt. Desweiteren muss man darauf achten, wenn man verschiedene Seiten verwendet, dass man schnell und unkompliziert die Gallery erreicht. In Fachkreisen ist der Standard maximal zwei Klicks bis zur Gallery. Besucher eines Portfolios sind nicht faul, ganz im Gegenteil – nein sie wollen nur so schnell und einfach wie möglich zu den nötigen Informationen, da kann man sie nicht ewig durch die Gegend umleiten.

Wer allerdings weniger auf das Aussehen achten möchte, sondern den Besucher 100% auf seine Werke aufmerksam machen will, der kann sein Portfolio tatsächlich sehr schlicht gestalten. Es reicht tatsächlich aus,  nur eine einzige Seite anzulegen. Angefangen mit einem Resume und darunter die Gallery – fertig. Auch das ist tatsächlich gern gesehen und so ziemlich die schnellste Lösung. Aber irgendwann wird es soweit sein, dass man so viel Content zum Zeigen hat, dass das nicht mehr auf eine Seite passt. Dann muss man sich neu sortieren und die Seite etwas aufwendiger gestalten, denn nicht vergessen – das Portfolio muss schnell abrufbar sein.

Wenn man anfängt das eigene Portfolio zu befüllen, sollte man folgendes beachten: Niemals, absolut niemals Flash verwenden. Wenn Videos von den eigenen Arbeiten eingefügt werden sollen, ist ein Youtube -oder Vimeo-Video absolute Ausnahme. Das hat folgende Gründe: Flash ist langsam und nichts ist bei der Präsentation schlimmer als ein Ladebalken. Flash lässt sich nicht auf iPhones abspielen und viele wichtige Besucher, die unter anderem entscheiden sollen ob man für einen Job in Frage kommt, können dann eventuell das Portfolio nicht einsehen. Denn oft sind ausgerechnet diese Leute mit einem iPhone ausgestattet. Niemand will bei Webseiten einen Workaround machen: lädt das Portfolio zu langsam oder gar nicht, wird die Website geschlossen und das war’s. Also: No Flash!

Screenshots: Level Designer sollten von ihren schönsten erstellten Maps Screenshots machen. Bevor man anfängt wild rumzuknipsen, schraubt man die Grafik des Spieles, für welches man die Levels gebaut hat, auf das absolute Maximum und dann macht man Screenshots. Absolutes NoGo ist übrigens die Bilder im Nachhinein offensichtlich aufzumotzen, wie z.B.: nachträgliches schärfen, Konturen nachziehen oder ähnliches. Wenn man das nicht wirklich kann, sein lassen! Zusätzlich markiert man jeden Screenshot mit dem eigenen Namen und dem Portfolio. Warum? Man kann davon ausgehen, dass der eventuelle neue Arbeitgeber ein paar Beispiele herunterladen wird, um sie Kollegen zu zeigen. Da man aber nicht die einzige mögliche interessante Person ist, kann es sein, dass man dann die Bilder später nicht mehr zuordnen kann. Durch eine einfache Markierung kann dieses Problem umgangen werden.

Nun hat man sein Portfolio fertig und wie ruft man es nun am besten auf? Richtig, mit einer vernünftigen Toplevel-Domain, z.B.: www.mein-portfolio.de oder .com oder .net. Was hier absolutes No-Go ist, sind Sublevel-Domains wie  .de.vu oder ähnliches, das wirkt unprofessionell. Selbiges gilt für jegliche Art von Werbung, das hat in einem Portfolio nichts zu suchen. Auch sollte man sich genau überlegen welche Domain man dafür registrieren will. Es macht wenig Sinn, wenn man sie zum Beispiel www.dragon-eater.de nennt. Die beste und seriöseste Wahl ist der eigene Name, wie in meinem Fall www.benny-kayser.net. Klar, das klingt irgendwo alles spießig, aber es ist Fakt, dass man auf solche Details wert legt und so „digitalen Arbeitsproben“ ernst genommen werden.

Wie schon erwähnt, Portfolios sind die moderne Art der Bewerbung und Präsentation von Arbeitsproben. Man sollte sich Zeit dafür nehmen, andere Portfolios studieren und Ideen zu sammeln und nicht einfach alles ungeplant irgendwo hinklatschen. Es ist wichtig, dass das Portfolio ein System hat. Es gibt keine Richtlinie wie bei einer Bewerbung, aber es gibt Insider-Standards die man kennen sollte. Mit diesen genannten Tipps sollte man in der Lage sein, mit dem Portfolio aufzufallen und die nötige Beachtung zu bekommen. Im Übrigen ist es nicht verkehrt, im Resume zum Linkedin -und Xing-Profil zu verweisen, denn das Networken ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der Branche.

Natürlich gibt es noch weitere sehr nützliche Tipps. Wer sich noch tiefgründiger mit diesem Thema beschäftigen will, kann gern bei der internationalen Game Developer Gemeinschaft “Mapcore” (www.mapcore.net) in der Rubrik “Portfolios” vorbeischauen. Und wer auf Nummer sicher gehen möchte, darf dort auch sein Portfolio vorstellen und wir bewerten es.