Über die Ausbildung zum Game Designer

In Deutschland widmen mittlerweile immer mehr private Institute dem Bereich Game Design einen eigenen Studiengang. Die teils beträchtlichen Gebühren für diese Kurse oder Studiengänge werfen die Frage auf, inwieweit eine solche Ausbildung oder ein solches Studium Sinn macht.

Wissen ist frei.

Ein paar Denkansätze für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, ein solches Studium bzw eine solche Ausbildung zum Game Designer oder Spieleentwickler anzugehen:

Richtig ist, dass sich für jede Arbeit ein grundsätzliches Handwerkszeug ermitteln lässt, das für eine effiziente und effektive Zusammenarbeit hilfreich ist. Ich denke jedoch, dass eine staatliche Normierung oder ein starres Curriculum keinesfalls zwingend nötig ist, um auf den Beruf des Game Designers (oder jeden anderen Beruf) vorzubereiten. Engagierte Autodidakten beweisen dies mit ihrer Arbeit immer wieder. Und keine staatlich anerkannte Ausbildung und kein Studium dieser Welt waren jemals absolute Garantien für fachliche Kompetenz: Auch ein Maurermeister kann ein schiefes Haus bauen.

Jedwede Fähigkeit zu erlernen bedarf es nicht zwingend einer Aufsicht oder gar eines Zertifikats. Zugleich ist Spieleentwicklung und speziell Game Design als Tätigkeit viel zu jung, viel zu ungenau definiert, um wirklich die einen Lehrplan zusammenstellen zu können, der zum Soforteinstieg in jedes Studio qualifiziert und zugleich jeden Absolventen zum Design origineller Spielkonzepte befähigt.

Hinzu kommt, dass das Arbeitsniveau in Studios sehr unterschiedlich ist. Während in einigen Unternehmen (zum Beispiel aufgrund zeitlicher Mängel) lediglich auf grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Spiele geachtet wird, ist anderswo täglich hohe Kreativität und originelles Game Design gefragt und gefordert.

Auch sollte man im Hinterkopf behalten, dass all diese Institute auch dann ihr Geld von den Studenten bekommen, wenn diese keine gute Ausbildung erhalten. Ein Studium an einem solchen Institut ist keinesfalls eine Jobgarantie. Sicherlich hilft eine hohe Ausbildungsqualität und die dadurch vielleicht höheren Erfolge der Absolventen den Instituten als Werbung. Darauf angewiesen sind sie aufgrund ihres Geschäftsmodells jedoch nicht.

Die akademische Beschäftigung mit dem Thema Spiele und Spieleentwicklung ist richtig und wichtig. Forschung in diesem Bereich kann viele Fortschritte bewirken. Ein kommerzielles Ausbildungssystem ist jedoch weder zwingende Folge, noch Vorraussetzung dafür. Auch gamedevtipps.de ist ein Projekt, um Wissen zu sammeln, zu mehren und zu teilen.

Alle Inhalte, die nach Lehrbuch unterrichtet werden, sind zunächst einmal genau das: in schriftlicher Form verfügbar. Sie könnten so ebenfalls ganz ohne Zahlung irgendwelcher Gebühren gelesen und gelernt werden. Gerade in Zeiten des Internet bewahrheitet sich: Wissen ist frei.

Wer lieber im Rahmen eines festen Korsetts lernt, die Unterstützung von Kommilitonen sucht und wer ohne den “Druck” einer Prüfung und monatlicher Zahlungen nicht zu motivieren ist, sich fortzubilden und mehr zu lernen, für den ist sicherlich eine institutionell organisierte Ausbildung genau das richtige.

Das Leben ist der beste Lehrmeister.

Eine Alternative stellt der direkte Sprung in die Praxis dar. Dies muss nicht einmal ein Praktikum als Game Designer in einem professionellen Unternehmen sein, sondern kann auch zu Hause im stillen Kämmerlein erfolgen, entweder alleine oder im Team im Rahmen zum Beispiel einer “Mod”. Wer ein ganzes Spiel vollständig und bis zur Veröffentlichung durchentwickelt hat und dabei mit offenen Augen vorgeht, der weiß anschließend, was nötig ist, um Spiele zu entwickeln. Es ist die Praxis, aus der sich besten Lehren ziehen lassen. Und diese Lehren können auch heißen, dass es sinnvoll wäre, sich das eine oder andere Buch über Psychologie oder Spieltheorie zu Gemüte zu führen. Auch dies kann wieder kostengünstig und ganz ohne ein starres Curriculum erfolgen.

Man kann sagen, dass der beste Ausbilder die eigene Motivation ist, seine Fähigkeiten zu verbessern und sich stets selbst zu übertreffen. Alte Handwerker würden dies sicherlich “Handwerkerehre” nennen: Der Anspruch, immer nur das Beste zu leisten.

Ein Game Designer benötigt viele Fähigkeiten. Er muss seine Ideen allen Teammitgliedern effizient vermitteln können, muss in der Lage sein, komplexe Systeme und Mechaniken zu entwickeln um das Gameplay abzubilden und sollte stets fähig zu Kritik und Selbstkritik bleiben.

Die besten Geschichten schreibt das Leben.

Aufgabe eines Game Designers ist außerdem die direkte Ansprache des Spielers, das Vermitteln von Emotionen und Erlebnissen. Viele philosophische Gedanken fließen in die Entwicklung fesselnder Spiele ein. Reflexionen über das Leben und ethische Fragen sind das Salz in der Suppe vieler moderner RPGs. Sehr gut bringt dies ein Video von “The Escapist” auf den Punkt: